Neulich hatten wir unter Freunden eine Diskussion über einen sich permanent juckenden Hund. Dazu kam mir folgender Gedanke: Wenn man alle Krankheitsbilder durchgesehen, also der Tierarzt alles versucht hat, man mit Dr. Google nicht mehr weiter weiß, Futterumstellungen nichts bringen, also wenn man zu keinem Ergebnis gekommen ist, welches dem Hund hilft, dann sollte man sich selber beobachten. Denn manchmal kann es auch am Zuhause liegen, ganz einfach am Stress, welchen der Hund hat und wir, in der Annahme alles richtig zu machen, vielleicht auf ihn ausüben.

Ich persönlich habe schon fünf sich kratzende und juckende Hunde in mein Rudel aufgenommen. Einer stand unter schweren Medikamenten, die wir absetzten. Und - in unserem Rudel heilten diese Tiere. Warum ist das so? Wir können es uns nicht erklären. Aber ich habe mir ein paar Gedanken dazu gemacht.

Ich kann mich noch gut an ein Labbi-Forum erinnern, in dem ich mitschrieb. Dort ging es um einen sich juckenden Hund. Ich empfahl, den Hund von Trockenfutter auf Fleisch umzustellen. Darauf sagte eine Züchterin: "es kann auch an Stress liegen". Das verneinte ich und sagte ihr, "wenn Hunde in mein Rudel kommen haben sie auch Stress. Aber dort werden sie gesund. Und ich füttere Fleisch." - "Stimmt", sagte sie, "aber arttypischen Stress, nicht von Menschen gemachten." Das hat mir zu denken gegeben. Da hätte ich doch auch mal selber drauf kommen können. Ich möchte hier nicht missverstanden werden, wenn ein Hund etwas hat, gehört er zum Tierarzt, aber manchmal kommt auch dieser dann trotz allem Wissen nicht weiter.

Aber woran könnte noch liegen, dass solche Hunde hier heilen?

Hier läuft der Gasthund vorn. Die Hündin sieht den Kameramann, ihren Besitzer. Eine sehr selbstbewusste Hündin, welche mein Rudel kennt:

Bild: Rolf Löhle, Balance4Dogs

Meine Hunde zeigen im Rudel keine Schwächen. Ich habe sie ganz wenig beim Tierarzt, meistens sind es Verletzungen durch das gemeinsame Toben. Da ist die Geschwindigkeit hoch, Löcher im Boden werden da übersehen. Mechanischer Schaden, sage ich da immer. Wenn sie sich einmal beim Laufen verletzt haben, zeigen sie das nicht den anderen Hunden, sondern versuchen es zu verbergen. Nur die starken Hündinnen humpeln dann unverschämt durch die Gegend. Die schwächeren Hündinnen legen sich hin. Kaum komme ich zu ihnen, springen sie humpelnd im Rudel herum. Mein Tierarzt bekommt dann immer ein leichtes, säuerliches Lächeln ins Gesicht, dem Hund wurde Ruhe verordnet. Ich kann das nicht, mir tun sie eingesperrt so leid. Claudia kann das besser, sie ist ja auch Krankenschwester. "Wenn du dir das Bein verdreht hast, legst du dich auch hin” sagt sie dann.

Aber wenn sie hier herumhüpfen, wissen die Hunde, dass ich sie schütze. Dann kann man auch mal humpeln. Sich juckende Hunde kommen zu mir ins Rudel und beginnen nach 14 Tagen zu heilen. Vielleicht ist es so, dass die Macht des Rudel sie keine Schwächen zeigen lässt, sie einmal das Jucken ausblenden und ihr Immunsystem einen Anstupser bekommt. Als ob man etwas Starthilfe auf die Kerzen seines Autos gibt. Denn das Rudel feuert ihren Überlebenstrieb an. Und da meine Hunde tolerant sind, finden die neuen sich schnell zurecht.

Zwei Gasthunde in meinem Rudel. Die Inka und der Gwendo. Beide beginnen schnell miteinander zu kommunizieren:

Und sie haben schwer zu tun, anderes als jucken. Mit wem kann ich, mit wem kann ich nicht. Das ist interessant zu sehen. Ich hatte schon so viele Hunde über die Jahre in meinem Rudel. Keiner hat sich gejuckt, keiner war erkältet. Und natürlich habe ich im Auslauf keine Hausstaubmilben. Ich denke daher, dass mein Rudel eine heilende vorbeugende Wirkung auf sich selber hat. Ich muss das mal weiter beobachten, das ist interessant.

Welpen von mir haben sich nach der Abgabe gejuckt. Ich habe die jeweiligen Hündinnen und ihren Nachwuchs aus der Zucht genommen. Bei Gaja war es besonders auffällig. Von ihr hatten mehrere Welpen Probleme. Meistens lebten sie nach der Abgabe in der Wohnung. Kann es sein, das die Wohnung das Immunsystem herunter fährt, der Schäferhund verweichlicht wird? Es gibt so vieles zum Nachdenken…

Über mich

Hallo, ich bin Mario Jessat. Ich bin erfolgreicher Hundezüchter, Hundesportler, Hundetrainer und ein wenig hundeverrückt. Denn Hunde aller Rassen begleiten mich schon seit mehr als 40 Jahren.

Mit meinem Schäferhunderudel war ich schon zwei mal im Fernsehen in Dokumentarfilmen zu sehen, und meine Hunde standen bereits für zwei Filme vor der Fernsehkamera.

Ich bin Mitbetreiber der Internetplattform "Snautz.de" und besitze eine eigene Futtermarke "Stadtwolf". Über mein tägliches Leben mit meinen Hunden berichte ich hier im Newsletter und im Blog.

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