Früher, als ich gelegentlich mit einem Welpen einzeln unterwegs war, kam des öfteren mal ein fremder Hund gerannt. Ich kann dieses "ich renne einfach mal in deinen Welpen" nicht so sehr leiden. Also stellte ich mich schützend vor meinen Welpen. Und schon kamen die Sprüche: "kein Problem, Ihrer hat Welpenschutz", "meiner tut nix" und "die klären das selber".

Kaum bin ich mit dem Rudel unterwegs, fangen alle diese "Tut-Nix-Selber-Klärer" ihre Hunde ein. Mit äußerst schnellen Bewegungen und panischer Stimme. Und oft laufen sie dann in die andere Richtung. Und sollte ihr Hund dann wirklich bis zu mir kommen, werden in der Regel zehn Schritt vorm Rudel die Bewegungen des Hundes ganz langsam. Das sind dann doch zu viele andere Hunde.

Und manchmal bleibt doch mal jemand stehen mit seinem Hund und ich nehme diese dann mit auf Spaziergang. Meine Hunde raufen nicht und sind tolerant. Und nun passiert etwas Unglaubliches. Wenn ich diese Hunde wieder treffe, dann springen sie schon von weitem in die Leine und wollen zum Rudel. Manche sind kaum zu halten. 

Noch schlimmer ist es bei ehemaligen Welpen von mir, besonders wenn sie später einige Male zu Besuch waren. "Der brüllt schon seit Ortseingang" wird mir dann gesagt. Andere können nach dem Aussteigen kaum noch ihren Hund halten. Sie wollen ins Rudel.

Als Claudia mit Gandhi noch nicht bei mir wohnte und aller zwei Wochen am Freitag zu mir wollte, bekam Gandhi am Mittwoch Durchfall. Zweimal haben wir uns nicht getroffen, weil wir dachten, Gandhi hat sich eine Krankheit eingefangen. Er war aufgeregt und das wegen meines Rudels: Er wollte mitlaufen.

Es ist schon verrückt. Die Hunde sind wie elektrisiert auf den "Run". Sie laufen um die Wette. Jeder will vorn sein, der erste sein. Sie machen sich lang, strecken sich, sehen beim Sprint nach rechts oder links, wer da neben ihnen läuft. Vorm Start versuchen sie, sich in günstige Startpositionen zu bringen. Sie laufen dann trotz meines Kommandos "warten" ein paar Schritte aus dem Rudel nach vorn. Und obwohl sie eigentlich sehr schnell auf Zeichen reagieren, hier muss ich sie schon zweimal ansprechen, dass sie sich wieder ins Rudel begeben. Vor dem Start, bevor sie loslaufen dürfen, werde ich von ihnen genau beobachtet. Sie halten die Köpfe schief, keiner will das Startsignal übersehen. Und natürlich werden beim Rennen Fouls begangen. Da wird gerempelt, nach der Seite gezwickt, der Weg gekreuzt, kein Platz gemacht und wütend gebellt, wenn einer den anderen überholt. 

Jeder will der erste sein. Orla rechts außen ist besonders sauer, weil sie den Anschluss verpasst hat:

Bild: Rolf Löhle, Balance4Dogs

Gandhi hat damals vor lauter Aufregung geschrien, wenn es zum Laufen ging. Das Geschreie haben wir heute noch. Seine Erwartungshaltung ist ganz hoch. Auch die Gasthunde schreien heute noch, wenn sie kommen und mit dem Rudel rennen dürfen. Sie wollen mit, dass ist sichtbar. Dieses Wissen macht es mir einfacher, wenn ich einen neuen Hund bei mir aufnehme. Auch wenn er im Rudel im Auslauf unsicher ist, habe ich ihn durch die Sprints schnell integriert. Er will einfach mitjagen.

Während des Rennens und Laufens geht es oft eng zu. Die Hunde müssen dabei friedlich bleiben:

Bild: Rolf Löhle, Balance4Dogs

Warum sie so gern um die Wette laufen, weiß ich nicht. Ich achte nur darauf, dass sie fair bleiben und nicht ins Raufen kommen. Ich bekomme sie so aber schnell körperlich müde. Traben können sie stundenlang, aber so ein paar schnelle Läufe lassen die Zungen hängen. Ich sorge dafür, das immer Wasser in der Nähe ist. Und was mich am meisten wundert ist, dass die “Alten” wieder jung werden. Sie rennen mit. Ich bin selber etwas älter. Wie kann man bloß auf die Idee kommen, in so einem Alter so durch die Gegend zu rennen?

Über mich

Hallo, ich bin Mario Jessat. Ich bin erfolgreicher Hundezüchter, Hundesportler, Hundetrainer und ein wenig hundeverrückt. Denn Hunde aller Rassen begleiten mich schon seit mehr als 40 Jahren.

Mit meinem Schäferhunderudel war ich schon zwei mal im Fernsehen in Dokumentarfilmen zu sehen, und meine Hunde standen bereits für zwei Filme vor der Fernsehkamera.

Ich bin Mitbetreiber der Internetplattform "Snautz.de" und besitze eine eigene Futtermarke "Stadtwolf". Über mein tägliches Leben mit meinen Hunden berichte ich hier im Newsletter und im Blog.

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