Ich hatte mir einmal, dem allgemeinen Trend der Schäfer folgend, zwei Border Collies zugelegt. Natürlich aus einer absoluten Arbeitslinie. Das waren Gebrauchshunde, welche wirklich arbeiten müssen.

Ich hatte nun zwei und ich war schnell überfordert. Zwar hatte ich mir ein dickes Buch für das Training von Border Collies besorgt, aber ich kam nicht voran beim Lesen und hatte an den Schafen viel zu tun .

In dieser Zeit klingelte das Telefon. Ein Geschäftsmann, der zu Wendezeiten nach Leipzig gezogen war, wollte meine Beratung für die Anschaffung eines Hundes. Er hatte meine Telefonnummer von einem mit ihm befreundeten Handwerker, welchem ich beim Training seines Hundes geholfen hatte.

Dieser Geschäftsmann nun hatte eine tschechische Freundin. Sie war sichtbar  jünger, sehr schlank und blond und ausgesprochen hübsch. Ich überlegte kurz, ob ich jetzt auch ein Geschäftsmann werde. Nun hatte diese nette Freundin die Idee, ein Kind zu bekommen. Großzügigerweise sprach sie es mit ihrem Freund ab, dieser war etwas entsetzt von der Idee und der Meinung, ein Hund wäre zur Festigung der gemeinsamen Beziehung für den Anfang ausreichend. Also kamen die beiden zu mir.

Ich stand an der Schafherde und erzählte von den einzelnen Rassen, was bei diesen jeweils zu beachten wäre, als mein Lehrling zu den Schafen kommt und die Border Collies mitbringt. Die kleinen Border Collies springen aus dem Auto und begrüßen alle anwesenden Menschen sehr freundlich, was wiederum die tschechische Freundin sofort begeisterte. Und nun musste es sofort so ein Hund sein. Meine Einwände, dass diese Hunde wirklich ausgelastet sein müssen, räumte der Geschäftsmann mit "meine Freundin ist den ganzen Tag zu Hause, die kümmert sich" beiseite.

Ich wollte ja sowieso einen wieder abgeben, aber an diese Leute? Ich startete einen letzten Versuch und nannte einen unverschämten Preis. Das war auch kein Problem.

Drei Monate hörte ich nichts, dann klingelte das Telefon. Ob ich mal bitte kurz zum Geschäftsmann zum Training kommen könnte, was ich natürlich auch tat.

Es war ein Bild des Grauens. Der Wintergarten, sicher einmal ein Kleinod der Gemütlichkeit, sah aus wie ein abgeerntetes Maisfeld. Die alten Teppiche waren angeknabbert und auch eine Tür. Die Löwenköpfe an den Füßen der Biedermeier-Möbel waren alle angefressen. Mir war wirklich etwas schlecht.

"Und das schlimmste", sagte der Geschäftsmann, "sind die Spaziergänge. Wir lassen ihn aus dem Auto und er ist weg. So 1-2 Stunden. Aber er ist schlau. Er kommt immer dahin zurück, wo wir ihn aus den Auto gelassen haben. Und wenn ich mit ihm schimpfe, sieht meine Frau mich an als ob ich ihr Kind schlage." Er bot mir viel Geld, dass ich diesen Hund wieder mitnehme.

Leider ging es in dieser Zeit vielen Border Collies sehr schlecht. Die Rasse kam in Mode, es sind wunderschöne Hunde, es gab eine große Nachfrage nach diesen. Und es wurden viele Border Collies  wieder zurückgegeben. 2006 ließ ich Frau Meermann von "Border Collie in Not" auf unserer Internetseite Snautz.de davon berichten.

Hier ist ein Border Collie in Aktion. Sie sind heute keine reine Arbeitslinie mehr, besitzen aber noch viel Temperament. Gelegentlich schlagen auch Border Collies aus den sogenannten Show-Linien auf die Gebrauchshunde zurück (Bild: pixabay.de):

Über mich

Hallo, ich bin Mario Jessat. Ich bin erfolgreicher Hundezüchter, Hundesportler, Hundetrainer und ein wenig hundeverrückt. Denn Hunde aller Rassen begleiten mich schon seit mehr als 40 Jahren.

Mit meinem Schäferhunderudel war ich schon zwei mal im Fernsehen in Dokumentarfilmen zu sehen, und meine Hunde standen bereits für zwei Filme vor der Fernsehkamera.

Ich bin Mitbetreiber der Internetplattform "Snautz.de" und besitze eine eigene Futtermarke "Stadtwolf". Über mein tägliches Leben mit meinen Hunden berichte ich hier im Newsletter und im Blog.

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