Ich hatte mich entschlossen, etwas ruhiger zu machen. So weit so gut. Deshalb haben wir den ganzen Sommer über keine Hündin zugelassen und viel Zeit mit den Hunden auf dem Campingplatz in Naumburg verbracht. Dann erreichte mich ein Anruf vom Züchterkollegen vom “Hammelstaller Tanger". Ich könnte mir eine junge Hündin ansehen, ob ich sie vielleicht möchte. Aus dem Zwinger “Hammelstaller Tanger” stammt mein Deckrüde "Krull", eigentlich Georg. Krulli hat es geschafft, meinen ehemaligen Rüden “Luis” fast zu ersetzen. Fast.

Kurz entschlossen fuhren Claudia und ich die über 400 km zu dem Züchter. Zurück kam ich mit fünf Hunden. Das war so nicht geplant. David, der Züchter ist krank, er fühlte sich nicht mehr in der Lage zu züchten. Er ist nach 19 Jahren Zucht und seiner Krankheit völlig ausgepumpt. Auch hatte ich ihm gemeldet, dass zwei seiner ehemaligen Welpen, welche ich für ihn vermittelt habe, krank sind. So gab er auf. Die Hunde waren nicht mehr im optimalen Zustand. Da er selber einsah, dass er Hilfe braucht, es nicht mehr schafft, gab er uns den Zwinger ab und auch die Hunde. Zwei ältere Hunde sind bei ihm geblieben. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Anka tragend bei ihrer Ankunft:

Ich habe die Hunde sofort mitgenommen. Sie bleiben nicht bei mir, ich bin eine Art Durchlaufstation. Sie bekommen jetzt erst einmal etwas auf die Rippen. Eine Hündin ist tragend. Alle Hunde hören leider schlecht, was aber nicht an den Ohren liegt. Da haben wir etwas Arbeit.

Außerdem sind sie untereinander gallig und aggressiv. Die älteste, die Anka, mobbt sofort die Inka. Welche wiederum mit ihr gemeinsam die Malu mobbt. Für die junge Hündin ist das nicht so schön. Sie liegt permanent auf dem Rücken und die anderen stehen über ihr. Das ist kein Spaß und da es fünf Hunde sind, kann ich sie nicht in mein Rudel lassen. Sie sind ein eigenes Rudel, welches sich untereinander zwar asozial benimmt, aber gegen andere zusammen kämpfen würde. Und da sie ihren Namen oft überhören, kann ich sie auch nicht ansprechen. Also in kleinen Schritten. Erst einmal unter ihnen Ordnung schaffen. Ich musste ihnen das Mobben abgewöhnen.

Zehn Tage später. Anka hat geworfen, neun Welpen. Kein Wunder, dass die Hündin so schlank aussah, die Welpen sind richtige Riesen. Anka frisst sehr gut, da haben wir mit ihr und den Welpen kein Problem. Und das schönste ist eigentlich, das sie in den zehn Tagen so viel Vertrauen zu uns entwickelt hat, dass sie uns an die Welpen lässt. Sie liegt völlig entspannt und hat mich bei der Geburt helfen lassen.

Anka und ihre Welpen:

Inka ist immer noch etwas ängstlich. Sie bindet sich aber an Claudias Sohn. Das ist sehr rührend zu beobachten. Für sie haben wir hier hoffentlich eine nette Familie im Ort gefunden. Langsam nähert sie sich auch uns immer mutiger und begrüßt uns schwanzwedelnd. Wir geben ihr Zeit.

Becky ist noch scheu und knurrt. Da es mir hier zu viel ist, wird sie vermittelt. Wir haben sie erst einmal bei einem befreundeten Züchter untergebracht. Sie ist fünf Jahre alt.

Malu, die jüngste, beginnt sich langsam ins Rudel zu wagen. Mit ihr haben wir noch viel Arbeit (Gehorsam, Bindung, Außenreize). Aber sie ist erst 1,5 Jahre, es sollte also noch etwas gehen. Da wir aber gerade so viele Hunde haben, kann ich nicht so schnell mit ihr arbeiten. Manchmal benimmt sie sich meinem Rudel gegenüber wie ein wildes Tier, manchmal läuft sie vorsichtig mit mir mit.

Und der Rüde Aaron? Der bindet sich gerade an mich. Springt in die Luft vor Freude, wenn er mich sieht, tanzt um mich herum. Er läuft schon ins Rudel und bekommt Vertrauen zu meinen toleranten Hunden. Es ist eine Freude, dieses zu sehen. Gerade habe ich keine läufigen Hündinnen, so kann ich ihn auch langsam einmal mit unserem Krull alleine lassen.

Aaron fasst Vertrauen zum Rudel:

Und dann haben mir ganz viele meiner ehemaligen Welpenkäufer, Freunde und andere Hundebesitzer ihre Hilfe angeboten. Geld, Futter und vieles mehr. Ich bin dankbar, das war so toll, habe es aber abgelehnt. Dabei mich aber entschlossen, diese angebotene Hilfe umzuleiten, dieser Kraft eine andere Richtung zu geben. Und mit ihnen einen Schäferhund-Nothilfeverein zu gründen. Wie geil ist das denn? Ich freue mich total. Erstens kommt es anders, und zweitens ...

Über mich

Hallo, ich bin Mario Jessat. Ich bin erfolgreicher Hundezüchter, Hundesportler, Hundetrainer und ein wenig hundeverrückt. Denn Hunde aller Rassen begleiten mich schon seit mehr als 40 Jahren.

Mit meinem Schäferhunderudel war ich schon zwei mal im Fernsehen in Dokumentarfilmen zu sehen, und meine Hunde standen bereits für zwei Filme vor der Fernsehkamera.

Ich bin Mitbetreiber der Internetplattform "Snautz.de" und besitze eine eigene Futtermarke "Stadtwolf". Über mein tägliches Leben mit meinen Hunden berichte ich hier im Newsletter und im Blog.

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