Es gibt noch zwei Geschichten, die auf meiner Hundewanderung schon abartig waren und auch die haben mit der innerdeutschen Grenze und den Hunde zu tun.

Es gab Grenzer, welche mit einem Rudel von drei bis fünf Hunden auf Streife gingen. Das erinnert mich an die Zeit der Sklaverei, wo man mit Bluthunden Menschen gejagt hat. Ich habe zwei mal nachgefragt, ob diese Geschichte stimmt. Sie stimmt, war aber nicht in allen Grenzstationen üblich.

Und nun sehe ich mich als jungen Menschen im DDR-System. Um Gottes Willen, wenn mich einer im Alter von 18 bis 20 Jahren gefragt hätte, ob ich mit fünf Hunden arbeiten will. Wäre ich auch auf Streife gegangen? Wäre ich an die Grenze gegangen? Diese Fragen stellten sich für mich Gott sei Dank nicht. Ich hatte als DDR-Bürger Westverwandschaft, mein Bruder hatte die Ausreise verlangt, mich hätten sie niemals an die Grenze zwischen den beiden Ländern gelassen. Wäre ich über die Mauer geklettert? Ich weiß es nicht. Jahre später, 1988, hatte ich die Gelegenheit, die DDR innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Ich blieb, weil ich meine Hunde und Schafe nicht einfach stehen lassen wollte.

Und die zweite Geschichte stammt von Uwe W.: Uwe hat einen Hund von mir, daher reden wir öfter zusammen. Er war einer der letzten an der innerdeutschen Grenze in der Hundestaffel. Dort waren zu diesem Zeitpunkt noch ca. 20 Hunde. Vier von diesen Hunden wurden von den Hundeführern mit nach Hause genommen, unter anderen auch von Uwe. Die anderen wurden eingeschläfert, und Uwe kann sich noch genau daran erinnern, wie sie tot in einem separaten Raum kamen und auf den Abdecker warteten. Nicht einmal begraben hat man sie. Ich hatte vorher gehört, dass sie erschossen wurden, aber das stimmt in diesem Falle nicht.

Und diese Hunde wollte natürlich damals keiner, besonders nicht die Hunde von der Laufanlage, deren Dasein bis zu diesem Zeitpunkt das Hin- und Herlaufen an der Kette oder in einem Laufgang war. Ich habe euch die Ahnentafel und mit Uwes Genehmigung einmal den Kaufvertrag angehangen:

Interessant ist dabei, dass acht Hunde geboren wurden, aber nur sechs verblieben. Zwei wurden getötet, damals durften im Wurf nur sechs Welpen verbleiben. Auch das ist eine Geschichte, die heute unvorstellbar ist.

Und dies ist die Ahnentafel eines Grenzhundes aus der DDR:

Ich lernte später jemanden kennen, der junge ausgebildete Grenzhunde mit Papieren aufkaufte und gewinnbringend an Personen verkaufte, welche unbedingt einen DDR-Grenzhund wollten. Diese Hunde hatten aber eine Ausbildung und kosteten viel Geld. Ich weiß die Zahlen nicht, wie viele von den 30.000 Grenzhunden mit nach Hause genommen oder verkauft wurden und wie viele sterben mussten, ich will sie eigentlich auch gar nicht wissen.

Heute verkaufen viele Hundeführer ihre ausgebildeten Hunde nach China. Vielleicht sollten sie einmal darüber nachdenken, bevor sie sich das Bündel Scheine einstecken, wie es den Hunden wohl dort ergehen wird und welches Ende auf diese Hunde wartet. Ich kenne ein Foto, da liegen die getöten Diensthunde, die aussortiert oder zu alt waren, in diesem Falle Malis und Schäferhunde, auf einem großen Haufen.

Übrigens, den Schäfern ging es nach der Wende ähnlich. Die DDR hatte viele Schafe und ebenso viele Schäfer. Nach der Wende kamen die Schafe über Nacht weg und die Schäfer wurden arbeitslos. Da saßen sie nun mit ihren Hunden und wussten nicht weiter. Die Geschichte dieser Schäfer und Hunde erzähle ich euch aber in meinem Buch...

Über mich

Hallo, ich bin Mario Jessat. Ich bin erfolgreicher Hundezüchter, Hundesportler, Hundetrainer und ein wenig hundeverrückt. Denn Hunde aller Rassen begleiten mich schon seit mehr als 40 Jahren.

Mit meinem Schäferhunderudel war ich schon zwei mal im Fernsehen in Dokumentarfilmen zu sehen, und meine Hunde standen bereits für zwei Filme vor der Fernsehkamera.

Ich bin Mitbetreiber der Internetplattform "Snautz.de" und besitze eine eigene Futtermarke "Stadtwolf". Über mein tägliches Leben mit meinen Hunden berichte ich hier im Newsletter und im Blog.

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